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An einen Vater

Ich bin schwanger. Von dir.
Was in mir wächst ist kein Kind der Liebe.
Was in mir wächst ist Hass.
Und wenn er einmal groß und stark ist
Und wenn er einmal größer und stärker ist
Als ich es bin
Wird er seinen Vater kennenlernen wollen.
Ich bin schwanger.
Von dir.
8.8.06 02:00


Tötet

Weil du nur mein Lachen gehört hast,
Während ich den Blick abgewendet habe,
Damit du meine Augen nicht schreien siehst

Weil du nur die Umarmung gespürt hast,
Während ich die blutverschmierte Hand hinter deinem Rücken hatte,
Damit du das Messer nicht siehst

Hast du nicht meine Panik nicht gehört.
Hast du nicht gesehen, dass ich dich hasse.
Bis ich dich tötete.

--
(Verfassungsdatum unbekannt.)
8.8.06 01:28


Utopie [Sterilität] (Paradox)

In den Schutzhandschuh gehüllt
Die Hand, die ich dir reiche
Durch den keimfreien Kittel geschützt
Die Umarmung, die ich dir gäbe
Wäre nicht die Schutzscheibe zwischen uns
Das Wort, das nicht zu dir dringt
Gedämpft durch den weißen Mundschutz

So isoliert mein infektiöses Herz
Denn mein Streben ist Reinheit,
Sterilität meine Utopie.
17.6.06 22:54


Zerfetzt (roh)

Keine lebensnotwendige Artikulation, kein geschriebenes Wort entflieht dem Kopfgefängnis. Zu widerspenstig die Gitter, zu starr die Ketten.

Ein Blutstropfen im Meer. Es ist zu einfach, am Strand, im Sandmeer der Zeit, zu verbluten anstatt die Haie zu bekämpfen.

Ein Schrei im Orkan.
(Kein Laut entrinnt der Kehle, wenn die Maske erstickt.)

Selbst der Sinn des Sinns entschwindet in der Metamorphose zum Zweifel.
20.2.06 21:37


20.2.06 21:09


Insomnia

Vor dem Morgengrauen das Nachtgrauen und kein Schlaf, kein Alptraum, in den man entfliehen könnte. Nein, ein gelebter Alptraum, den man nicht beim Aufwachen als irreal identifizieren könnte. So viel Negation, so viel Negatives. Schlaflos wälz ich mich im Bettgefängnis der Nacht in der Hoffnung, zu fallen und dabei dem kleinen Bruder des Todes zu begegnen. Die Hoffnung wird bitter enttäuscht. Ich falle, ich falle seit vier Jahren. Und im Abgrund nur die Stille. Die Stille ist feindlich, sie kämpft an vorderster Front im Krieg der Leere. Dem Krieg in meinem Kopf und meiner Seele, wo auch immer die ihren Hauptgeschäftssitz haben mag.
Ich lese ein bisschen von der Lektüre für Französisch, ein Buch, bzw. mehr ein Heft über die Geschichte eines Drogensüchtigen. Na danke, das hebt meine Stimmung ungemein. Ich lege es weg. Ziehe die Ärmel hoch und kratze die Wunden auf. Ziehe aus einem der Schnitte einen dicken getrockneten Blutpropfen und betrachte das Loch im Fettgewebe, das zurückbleibt. Ist die Seele in den Armen?
Weiter wälzen, grübeln. Über Alles und Nichts, es könnte dasselbe sein. Ich steh auf, zünde zwei Kerzen an, mach das Fenster auf und mir eine Zigarette an. Dazu noch Musik und ein Moment des kurzzeitigen Verdrängens ist geschaffen. Ich drücke die Zigarette auf meinem Arm aus und werfe sie ins Gras. Setze mich aufs Bett, das Fenster ist noch offen, damit der Gestank sich verzieht. Ich zittere wie Espenlaub und merke es noch nicht einmal. Ich starre einfach Löcher in die Leere, wo auch immer sie ist. Wieder hinlegen, immer noch keine Ruhe. Auf einmal tauchen Bilder der Vergangenheit auf, Bilder, die ich definitiv nie wieder sehen wollte. Ich krümme mich wie vor Schmerzen, mir ist kotzübel. Der Wahnsinn steht neben mir und schaut mich erwartungsvoll an. Nein, du bekommst mich nicht. Geh weg. Er rückt noch ein bisschen näher, setzt sich auf die Bettkante. Der Wahnsinn ist er aus der Vergangenheit. Fass mich nicht an, lass mich in Ruhe, lass mich. Ich will hier raus, gehe ins Bad. Scheiße, kein Schlüssel. Nach ein paar Momenten kommt es, wie es kommen muss: Er tritt ein...
Ich bin wieder in meinem Zimmer. Lass es aufhören.
Irgendwann wird es hell, ich setze mich wieder ans Fenster und rauche. Sehe ein paar Vögel vorbeifliegen, schwarz. Gedankenfetzen, die in meinem Kopf umherschwirren. Auf den nahen Bahnschienen fährt ein Zug. Ein Kind, durch dessen Augen ich schaue, versucht seine Mutter von den Gleisen zu bekommen, die sich vor lauter manischer Erschöpfung dort hingelegt hat. Es ist vollkommen panisch, und die einzige Antwort der Wahnsinnigen ist wütendes Gebrüll. Das Kind schließt mit dem Gedanken, eine biologische Mutter zu haben, ab.

Es muss wundervoll sein, auf den Gleisen zu stehen, das Vibrieren des Bodens unter den Füßen zu spüren, das Tosen des Zuges zu hören und in sein Licht zu blicken. Und zu wissen, dass es nun vorbei ist.
8.1.06 09:59


Ver[Gewalt]ig(ung)

Vergewaltigung. Durch jedes Wort, durch jede Tat; mit jedem Wort, mit jeder Tat. Vergewaltigt ist das Leben durch mein Sein, vergewaltigt bin ich durch des Lebens Sein. Wir vergewaltigen zur parallelen Zeit, an parallelem Ort - man könnte meinen, wir seien Komplizen, jedoch sind wir Todfeinde. Wir vergewaltigen einander mit Leben oder mit Lebenstod, um einander davon abzuhalten, zu sterben oder totzuleben.
Der Sinn ist die dritte Dimension.
25.12.05 05:18


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